Europäische Jugendorganisationen treffen sich, um die N20-Jugendstreiks zu planen

Dieser Artikel von Adam Powell-Davies (Socialist Students und Socialist Party, CWI in England & Wales) erschein am 22.10.2026 auf http://www.socialistworld.net

Inmitten der Massenbewegung der Jugend in Frankreich reiste eine Delegation sozialistischer Studierender am 17. und 18. Oktober zu einem wichtigen Treffen nach Paris, das den internationalen Jugendstreik am 20. November vorbereiten sollte. 27 Organisationen aus elf Ländern nahmen teil, um das weitere Vorgehen bis zum und nach dem 20. November zu besprechen.

Dies war das zweite Präsenztreffen eines europaweiten Netzwerks von Jugend-, Studierenden- und Antikriegsorganisationen, das Anfang des Jahres gegründet wurde, um internationale Aktionen gegen Krieg und Militarismus zu koordinieren. Das erste Treffen fand am 14. Juni in Köln statt und rief zum Internationalen Jugendstreik am 20. November (N20) unter dem Motto „Kämpft für unsere Zukunft, nicht für ihre Kriege“ auf. Dieses Motto stammte von Mitgliedern der Sozialistischen Studierenden, die argumentierten, der Kampf gegen den Krieg müsse mit dem umfassenderen Kampf gegen die kapitalistischen Bosse und ihr profitorientiertes System verbunden werden, das jungen Menschen auf vielfältige Weise die Zukunft raubt – sei es durch das Anzetteln von Kriegen, das Anheizen des Klimawandels oder die Zerstörung unserer Bildung und unseres Lebensstandards.

‚Kampf für die Zukunft‘

Die Ereignisse seit dem Kölner Treffen zeigen, warum es richtig war, den Gedanken des „Kampfes für eine Zukunft“ in den Mittelpunkt von N20 zu stellen; er zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bewegungen, an denen junge Menschen in Europa heute maßgeblich beteiligt sind und die sich über den gesamten Kontinent ausbreiten. Dass beim Pariser Treffen mehr als doppelt so viele Organisationen vertreten waren wie in Köln, ist ein Indiz dafür, dass der Gedanke an Bedeutung gewinnt. Berichte vom Treffen deuten darauf hin, dass mindestens Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende junger Menschen im Rahmen von N20 aktiv werden.

Wie ein Redner der italienischen Studierendenorganisation Rete della Conoscenza hervorhob, wurde der Widerstand der Jugend in Europa vor wenigen Monaten von Zehntausenden deutschen Schüler*innen angeführt, die gegen die drohende Wehrpflicht kämpften. Inzwischen haben sich ihnen Hunderttausende weitere in vielen anderen Ländern angeschlossen. Diese Ereignisse, insbesondere die Berichte zahlreicher Organisationen, die derzeit Jugendproteste in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland anführen, verliehen dem Treffen eine höhere politische Dimension.

Bei dem Treffen wurde außerdem bekannt, dass sich kürzlich eine Organisation in Albanien bezüglich eines Beitritts zu N20 gemeldet hatte, ebenso wie Jugendorganisationen in Indien, Indonesien, den Philippinen und einer Reihe weiterer Länder außerhalb Europas, in denen es ebenfalls große, von Jugendlichen getragene Bewegungen gab. Delegierte des Treffens nahmen am Samstagnachmittag an der Großdemonstration in Paris teil.

Angesichts der sich verändernden Fronten des Jugendkampfes in Europa und weltweit, in denen in verschiedenen Ländern unterschiedliche Themen im Vordergrund stehen, gab es eine wichtige Debatte darüber, inwieweit der 20. November weiterhin als internationaler Tag gegen Krieg und Militarismus gestaltet werden sollte. Es herrschte Einigkeit darüber, dass „Kämpft für unsere Zukunft, nicht für ihre Kriege“ weiterhin als übergreifender Slogan in ganz Europa verwendet werden sollte, jedoch mit dem Verständnis, dass verschiedene Organisationen diesen Slogan an die spezifischen Themen anpassen können, von denen sie glauben, dass sie junge Menschen in ihren jeweiligen Ländern am besten mobilisieren können.

Krieg und Militarismus

Als Reaktion auf die Befürchtung einiger Organisationen, diese Position schwäche den Widerstand gegen Krieg und Militarismus, argumentierten die Sozialistischen Studierenden, dass eine Betonung des „Kampfes für unsere Zukunft“ den Widerstand gegen den Krieg sogar stärken würde. Denn dadurch würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass junge Menschen N20 als Instrument nutzen, um den Kampf gegen ihre eigenen kapitalistischen Regierungen zu führen, die schließlich Krieg und Remilitarisierung vorantreiben. Eine zu enge Fokussierung auf Krieg und Militarismus, ohne aufzuzeigen, wie diese Probleme mit dem gesamten kapitalistischen System zusammenhängen, das „unsere Zukunft“ bedroht, würde es unwahrscheinlicher machen, dass N20 zur Stärkung der internationalen Organisation und des Bewusstseins der Arbeiter*innenklasse beiträgt, die notwendig sind, um Krieg und das krisengeschüttelte kapitalistische System, das ihn hervorbringt, zu beenden.

Was geschieht danach?

Ein weiterer wichtiger Punkt der Diskussion betraf die Zukunft des informellen Netzwerks, das den Internationalen Jugendstreik (N20) nach dem 20. November aufbaut. Man war sich einig, dass der N20 zwar das Potenzial hat, ein bedeutender Tag internationaler Jugendaktionen zu werden, aber lediglich den Beginn eines Prozesses zum Wiederaufbau internationaler Jugend- und Studierendenorganisationen darstellen sollte. Daher wurde vereinbart, dass alle beteiligten Organisationen auch nach dem N20 weiter zusammenarbeiten und das Netzwerk durch die Kontaktaufnahme mit anderen Organisationen in ihren jeweiligen Ländern ausbauen sollen.

Die Teilnehmer*innen einigten sich darauf, im Februar 2027 eine Präsenzkonferenz in Italien abzuhalten. Diese soll Gelegenheit bieten, die Erfahrungen von N20 zu reflektieren und die nächsten Schritte zum Wiederaufbau einer europäischen und internationalen Jugendbewegung gegen den Kapitalismus zu planen. Anders als die beiden vorangegangenen Präsenztreffen, die kleiner ausfielen und sich hauptsächlich aus Vertreter*innen der nationalen Führungsspitzen der Organisationen zusammensetzten, soll die Konferenz im Februar größer ausfallen und für die gesamte Aktivist*innenschicht der teilnehmenden Organisationen offen sein.

Diese Bewegung wächst

Die Mitglieder der Socialist Students argumentierten, dass die Konferenz im Februar zur Gründung eines internationalen sozialistischen Jugendnetzwerks führen sollte, mit einer Art Grundsatzerklärung, die verdeutlicht, warum der Kampf gegen den Kapitalismus den Kampf für eine gesellschaftliche Neuordnung auf der Grundlage von Bedürfnissen und nicht von Profit bedeutet. Unabhängig davon, ob Einigkeit darüber erzielt wird oder nicht, betonten wir, dass das Hauptziel des Netzwerks weiterhin die Organisation gemeinsamer Aktionen junger Menschen weltweit sein sollte. Dies könnte dann als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen und Debatten zwischen Organisationen über das zukünftige Vorgehen dienen. Als konkreten Vorschlag für zukünftige Aktionen brachten wir die Möglichkeit einer internationalen Mobilisierung nach Großbritannien am 27. und 28. November 2027 ins Spiel, wenn sich die G20-Gruppe der kapitalistischen Mächte in Manchester trifft.