Österreich kommt nicht aus der Krise und die Angst um den Job nimmt in vielen Branchen zu, die Unternehmen stehen bei den Lohnrunden auf der Bremse. Die Gewerkschaftsführung ist tief in der Logik der Sozialpartnerschaft verwurzelt und glaubt den Unternehmen mit „Rücksicht auf die Krise“ entgegenkommen zu müssen. Sie hat „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“ tief verinnerlicht.
Daher hat die Metallindustrie kampflos mit Reallohnverlusten abgeschlossen, bei Öffentlichem Dienst und Handel wurde der zweijährige Abschluss wieder aufgemacht und verschlechtert. Gekämpft wird oft nur dafür, überhaupt in die Nähe dieser schlechten Abschlüsse zu gelangen. Bringt da Kämpfen überhaupt was? Die Antwort ist ja, aber wir brauchen dafür verschiedene Zutaten.
Dieser Artikel von Laura Rafetseder, SO Wien, erschien in Offensiv Nr. 26 im März 2026.
Die Unternehmen fahren einen härteren Kurs, da es in vielen Branchen nötig ist, die Lohnstückkosten zu senken, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die Gewerkschaftsführung nimmt “Rücksicht auf die Krise”. Trotzdem kann kaum ein Abschluß rein am Verhandlungstisch erzielt werden. Die Gewerkschaft ist gezwungen, zu mobilisieren – unter der Gefahr, dass es an der Basis eine Eigendynamik für mehr gibt.
Denn Kämpfe lassen sich nicht einfach wie ein Wasserhahn auf- und zudrehen. In manchen Bereichen aber gibt es bereits eine Organisierung an der Basis bzw. Betriebsräte, die bereit sind, Kämpfe zu organisieren: es gab Streiks im Sozialbereich, in den Ordensspitälern in Oberösterreich (u.a. für eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohn und Personalausgleich) und bei der Sigmund Freud Uni. Im IT Bereich wurde über Streiks diskutiert.
Ja, der Kapitalismus ist in der Krise. Nein, wir können auf die armen Unternehmen nicht Rücksicht nehmen – wir wollen alle Firmenunterlagen sehen und wissen, wo das Geld hinfließt, das wir erwirtschaften. Ja, es gibt Personalabbau – aber wir können Kämpfe für mehr Lohn UND gegen Jobabbau verbinden. Streiks sind ein legitimes und effektives Mittel zur Verteidigung unserer Lebensstandards, sie schaffen Bewusstsein und nötige Kampferfahrung. Aber wenn z.B. ein Betrieb geschlossen werden muss, braucht es eher Betriebsbesetzungen als einfach nur Streik.
Kämpfe können gewonnen werden, je geschlossener und flächendeckender sie sind, sodass nicht eine Branche gegen die andere ausgespielt wird. Und
wenn es eine Eskalationsstrategie gibt und wir eine Gewerkschaftsführung haben, die bereit ist zu kämpfen. Wie es geht zeigt “Bildung im Mittelpunkt”, die Wiener Freizeitbetreuer*innen: es gibt viel Kampferfahrung mit aktiven Streikversammlungen, bei denen über Forderungen und Inhalte diskutiert wird. Sie haben ein demokratisch gewähltes Streikkomitee und gehen im Streik mit Demonstrationen nach außen, um sichtbar zu sein.
Gerade wenn mit Menschen gearbeitet wird, braucht es die Einbindung der Betroffenen, damit diese nicht gegen den Streik aufgehetzt werden können. Die Ordensspitäler haben z.B. in ihrem Streik das Motto des Charité-Streiks 2015 “Mehr für uns ist besser für alle” aufgegriffen. Nach den Streiks in den Ordenspitälern 2023 gab es Abstimmungen über das Verhandlungsergebnis – ein Ergebnis des Drucks von unten durch kämpferische Beschäftigte und Betriebsräte.
Ein erster Schritt in Richtung branchenübergreifende Vernetzung war das Treffen am 23.1. von Betriebsrät*innen und Gewerkschaftsaktivist*innen initiiert von Sowiso, dem Bündnis gegen Sozialkürzungen in Wien. Anwesend waren Beschäftigte aus verschiedensten Bereichen. Es wurde dabei über Streikerfahrungen diskutiert, warum in der kapitalistischen Krise kämpfen nötig ist und wie Organisierung für die Umwandlung der Gewerkschaften in kämpferische und demokratische Organe gehen kann. Wir müssen uns unabhängig an der Basis organisieren, weil wir uns den Kurs der Gewerkschaftsführung, die Kämpfe abdreht, anstatt sie zu führen, nicht leisten! Diesem ersten Treffen müssen weitere folgen!
Die nächsten von Sowiso initiierte Treffen von Gewerkschaftsaktivist*innen und Betriebsrät*innen finden am 24.4. und 26.6.2026 statt
“Wir hatten schon vor dem Streik ganz viele Betriebsversammlungen… auch zu den Entscheidungen, wie wir vorgehen sollen und auch zu den Forderungen.” Betriebsratsmitglieder der Sigmund Freud Uni
“Was ich mir von der Gewerkschaft erwarten würde, ist, dass man aktuelle Auseinandersetzungen gerade rund um KV-Verhandlungen miteinander verbindet und gemeinsame Aktionen startet.” Wolfgang Fischer, Betriebsrat in einem IT-Betrieb
“Bei den Streiks in den Ordensspitälern 2011 haben wir … gemerkt, da gibt es massive Unterstützung aus der Belegschaft und außerhalb, das wussten wir bis dahin nicht.” Hannes Wölflingseder, Betriebsrat bei den Barmherzigen Schwestern Wien
