50.000 Menschen (laut Polizeiangaben, also vermutlich mehr) haben am 4.6. in Wien gegen rassistische Polizeigewalt demonstriert. Ausgelöst durch die Proteste in den USA versammelten sich vorwiegend junge Menschen am Platz der Menschenrechte.  Am Tag darauf demonstrierten nochmals 9000 Menschen bei der US-Botschaft.

Viele besuchten ihre erste Demonstration. Auf vielen selbstgebastelten Schildern war „Black Lives Matter“ zu lesen, aber auch „eat the rich“ und kapitalismuskritische Sprüche waren zu sehen. Die Demonstration am 4.6. war eine der größten Demonstrationen der letzten Jahre in Wien und eine der größten „Black Lives Matter“ Demonstrationen in Europa. Die zweite Demonstration war zwar kleiner aber nicht weniger lebendig. Manche besuchten beide Demonstrationen.

Es waren die ersten wirklich großen Demonstrationen seit dem Lockdown. Viele wirkten erleichtert, dass es wieder möglich war zu demonstrieren. Viele Schilder verwiesen auch auf den Staatsrassismus in Österreich und die Polizeimorde an Cheibane Wague und Marcus Omofuma. Die Demonstration vom 4.6. steht in einer Linie mit den großen Demonstrationen gegen schwarzblau eins und zwei. Sie hebt sich aber dadurch ab dass die neue Generation die zum Teil durch die Klimabewegung politisiert wurde nun auf die Straße ging.  Der Umgang mit Corona, die wirtschaftliche Krise und der Lockdown haben einiges an Wut hervorgerufen, die sich nun entlädt.

Die Sozialistische Offensive war ebenfalls mit Aktivist/innen präsent und verteilten Flugblätter. Wir wiesen auf den Kapitalismus als Ursache von Unterdrückung, Ausbeutung und Rassismus hin. Wir erklärten darin auch, dass ein gemeinsamer Kampf von Arbeiter/innen und Unterdrückten unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht nötig ist, sowie die Überwindung des Kapitalismus hin zu einer sozialistischen Gesellschaft, um Rassismus und Armut endlich zu beenden. Besonders junge Menschen und People of Colour nahmen mit großem Interesse unsere Flugblätter.

Struktureller Rassismus, Zukunftsängste, Misstrauen gegen den Staat werden uns noch länger begleiten. Aber das ist nur ein Vorgeschmack auf die (internationalen) Bewegungen, die wir in der neuen Ära sehen werden, in der wir uns nun befinden.