Diese Artikel von Alexander Weber und Tim Rosa erschienen Ende August in Offensiv Nr. 23 – höchst aktuell anlässlich der jüngsten Leistungsschau des Bundesheeres am 26.Oktober.

Keine Zukunft in Uniform: Warum die Militarisierung der Jugend gestoppt werden muss

Von Alexander Weber, SO Wien

In Österreich wird die Propaganda für mehr Soldat*innen, höhere Militärausgaben und eine Stärkung des Bundesheeres immer lauter.

Österreich ist von den internationalen Entwicklungen zunehmender imperialistischer Spannungen nicht ausgenommen und besitzt z.B. wirtschaftspolitische Interessen am Balkan. Neben heimischen Firmen kommt dort auch das Bundesheer zum Einsatz. Dies zeigt einmal mehr, dass die “Neutralität” ein Mythos ist. Sie dient unter anderem als Vorwand, um bei Aufständen von Unterdrückten wegzuschauen, während gleichzeitig Geschäfte mit allen Seiten gemacht werden, egal wie undemokratisch sie sind.

Für die Jugend bedeutet diese Politik vor allem eines: Sie wird als „Ressource“ für künftige Konflikte betrachtet. An Schulen soll verstärkt militärische Präsenz gezeigt, Rekrutierungskampagnen ausgebaut und die „Wehrhaftigkeit“ der Gesellschaft erhöht werden. Die Dreier-Koalition knüpft damit an eine lange Tradition an, in der unter dem Vorwand von Sicherheit der Einfluss des Militärs auf das zivile Leben ausgeweitet wird.

Dabei stehen junge Menschen schon jetzt unter enormem Druck: steigende Mieten, unsichere Jobperspektiven, Klimakrise und Zukunftsängste prägen unseren Alltag. Vielen macht nun auch die steigende Kriegsgefahr Angst. Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der Krieg zum Alltag gehört!

Jeder Euro für Aufrüstung fehlt im Sozial- und Bildungswesen. Schulen, Pflege und Jugendarbeit leiden unter Personalmangel und Finanzierungsnot, während Milliarden in Panzer, Drohnen und Waffen fließen. Das trifft besonders alle Jugendlichen, die nicht reich sind und daher auf funktionierende Infrastruktur, leistbaren Wohnraum und gute Ausbildung angewiesen sind. Mit der Krise und potentiellem Widerstand nimmt auch die Repression zu. Künftig könnte nicht nur die Polizei, sondern auch das Heer eingesetzt werden – gegen Jugendproteste, aber letztlich auch gegen streikende Beschäftigte.

Eine militarisierte Gesellschaft nimmt jungen Menschen nicht nur Freiheit, sondern verschiebt den Fokus weg von dringend nötigen Aufgaben wie Klimaschutz, Bildung und sozialer Gerechtigkeit. Statt die Jugend auf Krieg vorzubereiten und damit auch ein konservatives Männerbild zu stärken, braucht es eine Politik, die Wohnungen statt Kasernen baut, Schulen saniert statt Waffen bestellt und Ausbildungsplätze schafft. Wir befinden uns in einer neuen Ära der kapitalistischen Krise. Militarisierung ist ein untrennbarer Teil davon. Ein Ende des Militarismus gibt es nur mit einem Ende des Kapitalismus und durch eine sozialistische Gesellschaftsveränderung.

Faktencheck: Kosten, Risiken und Realität der Aufrüstung

Wer bezahlt den Preis der Militarisierung?

Für 2025 plant Österreich Militärausgaben von 4,39 Milliarden Euro mit steigender Tendenz. Bereits 2026 soll das Budget um weitere 8,7 % (369,8 Millionen) wachsen. Bis 2032 sind zusätzlich 17 Milliarden Euro für das Bundesheer geplant. Auch das NATO-Ziel von 2% des BIP für Rüstung soll erreicht werden. Währenddessen wird anderswo gespart: 2025 sind Einsparungen von rund 6 Milliarden Euro vorgesehen, im Jahr darauf sogar 8,7 Milliarden Euro.

Von Tim Rosa

Auch international ist ein massiver Anstieg der Rüstungsausgaben zu beobachten. Weltweit erhöhten sich die Militärausgaben 2024 um 7,4 %. In der EU werden sogar die Schuldenregeln gelockert, um zusätzliche Rüstungsausgaben zu ermöglichen. Die Aufrüstung wird uns von Militärexpert*innen und Politiker*innen als “Sicherheit” verkauft. Während Milliarden in Waffen fließen, bleiben zentrale Sicherheitsrisiken aber ungelöst. Denn echte Sicherheit ist z.B. Sicherheit vor Arbeitslosigkeit und vor Armut. Auch die Sicherheit vor dem Klimawandel und ein sauberer Planet werden regelmäßig von der Politik ignoriert oder als unwichtig betrachtet. Die steigenden Auftritte von Militärexpert*innen und auch Werbungen von und für die Armee sollen uns von der angeblichen “Notwendigkeit” der größeren Militärausgaben überzeugen. Doch zwei Drittel der Bevölkerung in Österreich sind nicht bereit, in den Krieg zu ziehen. Also nutzt das Militär die Wirtschaftskrise, um sich als Ausweg für Ausbildung, Einkommen oder Job zu präsentieren. Eine gefährliche “Lösung”, denn Aufrüstung füllt nur die Konten der Konzerne. Die Kapitalist*innen würden uns den Krieg gerne schmackhaft machen. Die Geschichte zeigt jedoch, dass es gerade Jugendliche sind, die immer wieder Stellung gegen den Krieg einnehmen und auch große Proteste dagegen anführen.