Von Tony Saunois, CWI
Flüchtlingslager, Massengräber, Hinrichtungen im Schnellverfahren und unvorhersehbare militärische Zusammenstöße. Dies ist nicht Gaza oder die Ukraine. In Alex Garlands jüngstem Film Civil War sind es die Vereinigten Staaten in ein paar Jahren. Ein gewaltsam für eine dritte Amtszeit eingesetzter US-Präsident hat das FBI aufgelöst, Drohnen und Hubschrauber gegen Demonstranten eingesetzt und Journalist*innen hingerichtet. Kalifornien und Texas haben sich zur Western Alliance zusammengeschlossen und die Abspaltung von der Bundesregierung erklärt, und ein blutiger Bürgerkrieg ist ausgebrochen. Garland bestreitet, dass der Präsident ein Abbild von Trump ist, aber es ist unmöglich, sich ihn nicht in dieser Rolle vorzustellen.
Dem Film fehlt ein klarer ideologischer Bezug zu den beteiligten Kräften, aber mit ein wenig Phantasie kann man erkennen, welche Seite was verteidigt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht einer Gruppe von Fotojournalist*innen, die sich auf eine Reise quer durch das Land nach Washington D.C. begeben, wo sie alle Schrecken des Krieges erleben. Die erfahrene Fotojournalistin Lee, gespielt von Kirsten Dunst, führt die Gruppe zusammen mit ihrem Partner Joel, gespielt von Wagner Moura, an. Zu ihnen gesellen sich die junge Jessie, die Lee anfangs nicht leiden kann, und der ältere, erfahrene Journalist Sammy, gespielt von Stephen Henderson, der mit seiner langjährigen Erfahrung versucht, die Gruppe von den gewaltsameren Risiken fernzuhalten.
Dass der Film mit einem solchen Titel gerade jetzt veröffentlicht wird, sagt viel über den Diskurs und die Polarisierung in der US-Gesellschaft zum jetzigen Zeitpunkt und die mögliche Wiederwahl Trumps aus. Der Film übertreibt zwar die möglichen Ereignisse, aber Merkmale dessen, was der Film zeigt, sind jetzt schon vorhanden und werden sich noch verstärken, sollte Trump eine weitere Amtszeit gewinnen.
Die politische Aussage des Films ist gelinde gesagt begrenzt, aber er ist packend und schockierend in dem, was er zeigt. Der Einsatz von Sound und Tontechnik ist außerordentlich dramatisch. Das einschüchternde Wirbeln von Hubschrauberblättern und die Angst vor Panzern, die durch die Straßen rollen, wird von denjenigen, die solche Szenen erlebt haben, voll erkannt werden. Es ist erschütternd. Die Szene mit einem Massengrab von durch einen rassistischen Paramilitär Hingerichteten ist schockierend, aber nur allzu realistisch, wie auch andere Szenen. (Die Hauptfiguren werden durch diesen Paramilitär verhört.) Die realistische Gewalt und Unvorhersehbarkeit von Kriegsgebieten und sozialen Konfrontationen ist spürbar. Der Film zeigt den Zusammenbruch der US-Gesellschaft in einem dystopischen Alptraum. Einige leugnen dies und tun einfach so, als ob nichts wäre. Was fehlt, sind die Masse der Bevölkerung und ihre Beteiligung.
Der Film ist technisch gut gemacht. Es gibt keine Eröffnungsszenen oder eine Einführung. Wir gehen direkt zu einem von nur zwei Auftritten des Präsidenten über. Eine Eröffnungsrede und ein Siegesversprechen sowie eine kurze Szene im Weißen Haus am Ende sind die einzigen Auftritte des Präsidenten. Joel bittet ihn um ein Zitat. „Lassen Sie nicht zu, dass sie mich töten“, antwortet der Präsident, worauf Joel antwortet: „Das sollte reichen“.
Es ist ein ergreifender Film. Die explizite Gewalt wird schockieren und verstören, aber er zeigt brutal realistisch, wie der Krieg aussieht. Er übertreibt die möglichen Umwälzungen im Falle eines Sieges von Trump (wobei – wer weiß), dennoch ist es äußerst bezeichnend, dass Civil War genau zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht wurde.
