Von Arnold Anderl, SO Wien

2022 haben sich mehrere Jugendliche zu der Gruppe “Change For The Youth” zusammengeschlossen, um gegen die Mängel des Gesundheitssystems im Bereich Mental Health auf die Straße zu gehen. Damit tragen sie ein Thema in die Öffentlichkeit, das in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung bekommt. Die soziale Isolation der Lockdowns in der Corona-Krise und die finanziellen Rückschläge durch Inflation sowie schlechte Kollektivvertragsabschlüsse haben die mentalen Belastungen der Menschen noch weiter erhöht. Die Zahl der an Depression erkrankten Menschen in Österreich beträgt rund 700.000 Menschen. Diese Zahl zählt allerdings nur die bereits diagnostizierten Personen. Die tatsächliche Zahl liegt sehr wahrscheinlich weit darüber. In ganz Österreich gibt es derzeit rund 100.000 kassenfinanzierte Psychotherapieplätze, mehr als 600.000 weniger als derzeit benötigt werden würden. Das sorgt dafür, dass eine Therapie auf Krankenschein auf zehn Sitzungen begrenzt ist. In Ausnahmefällen kann eine Therapie mittels Antrag verlängert werden. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist das demütigend. Das Ziel dieser Therapien ist nicht die Heilung einer psychischen Erkrankung, sondern der Erhalt oder die Wiederherstellung der Alltagsfähigkeit, sprich der Arbeitsfähigkeit. Das Resultat ist, dass viele psychisch erkrankte Menschen Medikamente verschrieben bekommen und ihren Problemen überlassen werden.

Gemeinsamer Kampf gegen Ursachen und für Verbesserungen

Wir fordern daher eine Ausfinanzierung der Psychotherapien zur effektiven Behandlung von psychischen Erkrankungen, um die Gesundheit jedes Individuums zu fördern. Psychotherapien sollen unbegrenzt und ohne Schikanen auf Krankenschein für möglich sein. Gesundheit darf nicht den Profitinteressen unterliegen. Das Gesundheitswesen muss gut ausfinanziert sein, die Behandlungsplätze in den Kliniken erhöht werden, Fließband-Behandlung sollte der Vergangenheit angehören. Außerdem benötigen wir Einkommen, von denen die Menschen leben können und Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn und Personalausgleich. Das würde bedeuten, dass die Sorgen ums wirtschaftliche Überleben erleichtert werden, die Burnout-Gefahr sinkt und Menschen weniger in Abhängigkeit voneinander leben müssten. Für diese Forderungen muss es einen gemeinsamen Kampf geben. Die Kampagne von Change for the youth zeigt, dass wir mit diesen Problemen nicht alleine sind und dass wir etwas verändern können. 

Kapitalismus macht uns krank

Mit diesen Forderungen machen wir uns aber keine Illusionen über die Ursachen der psychischen Erkrankungen selbst. Diese sind vor allem Symptome eines kapitalistischen Systems, das einfach nicht mehr in der Lage ist, das Leben der Menschen nachhaltig zu verbessern. Ganz im Gegenteil. Während die Mehrheit der Menschen mit immer mehr Problemen zu kämpfen hat, gehen Jeff Bezos und Co. aktiv gegen Arbeitnehmer/innenrechte vor.

In einer sozialistischen Gesellschaft könnte die Grundlage gelegt werden, dass es den Menschen besser geht, weil die Ursachen, die uns krank machen, wegfallen.

Das wäre eine Gesellschaft, in der die Mehrheit der Menschen direkt über Politik und Wirtschaft bestimmen und auf gemeinsame Ziele hinarbeiten. Eine Gesellschaft, deren Wirtschaft auf die Bedürfnisse der Menschen ausgelegt ist, anstatt auf Profite.

Finanzielle Sorgen, Leistungsdruck, der Druck, kapitalistischen Idealen entsprechen zu müssen, die Isolation in der uns der Kapitalismus hält – das alles würde weg fallen. Wir könnten aktiv an der Gesellschaft mit arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, man würde sich weniger hilflos und ausgeliefert fühlen. Echte Begegnung und Intimität wären möglich – ohne all die Ideen die der Kapitalismus in uns pflanzt. Natürlich hätten wir immer noch Probleme, aber wir könnten vermutlich besser mit ihnen umgehen.