CWI Statement anlässlich des Internationalen Frauentags
Frauenunterdrückung ist nicht neu. Sie ist so alt wie die Klassengesellschaft. Sie nimmt viele Formen an – wie auch der Kampf gegen sie. Es ist bedeutsam dass Frauen, die die Notwendigkeit für Veränderung spüren, an der Front vieler Aufstände gegen Diktaturen und für echte Demokratie waren – sie das in Algerien, Hong Kong, Chile oder Libanon.
Für Sozialist/innen kann der Kampf für Gerechtigkeit und Emanzipation nicht getrennt werden vom Kampf gegen die Klassengesellschaft und ihre Symptome (wie z.B. Krieg). Das bedeutet einen Kampf gegen Überbleibsel feudaler Unterdrückung in den davon betroffenen Ländern wie auch die universelle Ausbeutung menschlicher Arbeit für Profite im Kapitalismus.
Ursprünge
Die Wurzeln des Internationalen Frauentags liegen in den Kämpfen von Textilarbeiterinnen im New York des späten 19. Jahrhunderts. Sie forderten ein Ende für die schlimmen Arbeitsbedingungen, Armutslöhne und Kinderarbeit. Trotz Angriffe durch die Polizei setzten sie ihren Kampf fort und organisierten Gewerkschaften. Wie Socialist Party Scotland (CWI in Schottland) in ihrer Spezialausgabe zum Frauentag schreiben:
„Frauen gingen am 8. März 1908 auf die Straßen von New York und verlangten höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit und das Wahlrecht. 1910 fand eine internationale sozialistische Konferenz in Kopenhagen statt, die von über 100 Frauen aus 17 Ländern besucht wurde. Diese Konferenz beschloss und etablierte den Internationalen Frauentag als jährliches Event. Die Februarrevolution in Russland 1917 wurde von Streiks und Demonstrationen von zehntausenden Textilarbeiterinnen in Petrograd anlässlich des internationalen Frauentags ausgelöst. Ihre Forderungen waren ‚Brot und Frieden‘ und ‚Nieder mit dem Zaren‘.“
Nach der siegreichen Überwindung des Kapitalismus am 25. Oktober desselben Jahres wurden durch den Sowjetkongress Dekrete erlassen die das Leben von Arbeiterinnen transformieren würden. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit wurde eingeführt, die zivile Ehe und Scheidung, kostenlose Abtreibung wurde eingeführt. Es wurde auch ein Dekret beschlossen, das Homosexualität legalisierte. Die Tür in ein neues Leben für Frauen der Arbeiter/innenklasse wurde geöffnet – wie es ein Poster von damals beschrieb: „Ein Ende der Küchensklaverei“.
Als die Arbeiter/innendemokratie in der Sowjetunion mit der Isolierung der Revolution und der Bürokratisierung durch den Stalinismus Schritt für Schitt abgeschafft wurde, ging auch für die Befreiung der Frau von der Sklaverei im Haushalt wieder die Tür zu. Doppelte und dreifache Unterdrückung von Frauen nahm wieder zu und wurde sogar durch die Bürokratie ermutigt. Im heutigen Russland hat Präsident Putin zuletzt sogar Gesetze die Frauen vor häuslicher Gewalt schützen abgeschafft. Am 8. März wird er Platitüden von sich geben, wie sehr Frauen Geschenke wie Blumen und Schokolade verdienen und wieder zu Business as usual übergehen.
Neokoloniale Welt
Es ist kein Zufall dass es eine stärkere Tradition des Internationalen Frauentags in Asien und Lateinamerika gibt. Er war stets ein wichtiges Datum im Kampf von Arbeiter/innen gegen Kolonialismus und Unterdrückung. Aber selbst auf dieser Seite der Welt hat er einiges seiner Bedeutung eingebüßt und wird nicht mehr eng mit dem Kampf aller Arbeiter/innen gegen die Klassengesellschaft und für eine sozialistische Gesellschaft verknüpft. Er wurde kommerzialisiert und unpolitisch.
Am 8. März gab es eine Tradition die Erinnerung an die großen Sozialistinnen der Vergangenheit hochzuhalten – unter ihnen Rosa Luxemburg, Eleanor Marx und Klara Zetkin. Das passiert heute immer weniger, auch in Afrika und Asien wird immer weniger an Kämpferinnen gegen die koloniale Unterdrückung erinnert.
In den frühen 1920ern gründete Funmilayo Ransome-Kuti in Nigeria eine Reihe von Organisationen und mobilisierte lokale Marktfrauen für Picknicks und Festivals, die den Widerstand gegen den Kolonialismus und gegen lokale Unterdrücker organisierten.
In Tansania war Bibi Titi Mohammad in den 1950ern eine mutige Anführerin von Frauen im Kampf gegen die koloniale Herrschaft. Sie adoptierte die Methoden der bolschewistischen Frauen in Zentralasien, und nutzte kulturelle und wirtschaftliche Netzwerke um Information auszutauschen, Versammlungen zu organisieren, Mitgliedschaften zu werben und für TANUs („Tanganyika African National Union“, eine Organisation gegen die koloniale Herrschaft) Freiheitskampf Geld zu sammeln.
In Pakistan, einem anderen Land mit einer stolzen Tradition von Kämpfen, haben Unterstützer/innen des CWI stets den 8. März gefeiert, oft mit farbenfrohen und lebendigen Demonstrationen. Dieses Jahr, in der Hoffnung junge Frauen für den Kampf für Sozialismus zu gewinnen, halten sie eine Serie von speziellen Seminaren zur Bedeutung des Internationalen Frauentags ab.
Hunderttausende von Frauen waren im Herzen der Massenbewegung in Indien gegen den verhassten Civic Amendment Act seit Ende letzten Jahres aktiv – sie schreckten nicht einmal zurück wenn sie mit der Gewalt durch die Polizei und der Reaktion konfrontiert waren. Aber auf die jüngsten Ereignisse in Delhi wurden beantwortet durch ein Zerstreuen der bundesweiten Proteste und verunmöglichen es dieses Jahr die stolzen Kampftraditionen von Frauen in Indien zu feiern.
Die politische Atmosphäre in Sri Lanka macht jede größere öffentliche Versammlung für den Internationalen Frauentag unmöglich. Aber, wie Mitglieder der United Socialist Party erklären, es gibt viele Gründe um gegen die Ausbeutung der Arbeit von Frauen zu kämpfen – in den Teeplantagen, in den Textilfabriken in den Freihandelszonen und als Dienstbotinnen in den Häusern von reichen Familien im Nahen Osten. Die Arbeit von Frauen ist verantwortlich für einen großen Teil der Exporteinkünfte des Landes und dennoch haben sie weniger als ein paar Dollar am Tag zum Überleben.
Ni Una Menos
In Lateinamerika wird der 8. März als Tag der Erinnerung an jene Toten, die von ihren Partnern und dem Staat ermordet wurden, gesehen. In Chile gab es horrende Morde von Aktivistinnen wie Daniela Carrasco und Macarena Valdes. Aber die Klassenkämpfer/innen von Socialismo Revolutionario (CWI in Chile) berichtet dass einige feministische Gruppen die Idee verbreiten, dass Männer nicht am Internationalen Frauentag teilnehmen sollten. Das zeigt die Gefahr von Identity Politics – eine Trennung von Frauen von ihren männlichen Kampfgenossen. In den jüngsten Kämpfen gegen das Pinera Regimes standen Männer und Frauen dagegen Seite an Seite.
In Argentinien haben Frauen eine große Rolle im Kampf gegen das Militär gespielt – ein Ausdruck des Horrors vergangender Diktaturen. Wenn sie Proteste unter dem Banner von Ni Una Menos halten, protestieren sie nicht nur gegen das Nichteingreifen der Behörden bei Morden gegen Frauen durch ihre Partner, sondern gedenken auch der zahlreichen Opfer von Armee und Polizeigewalt.
Die Ni Una di Meno Website spricht von Plänen in Italien für Demonstrationen am 8. März und Streikaktionen am Montag dem 9. März. Aber die Behörden haben wegen dem Coronavirus Demonstrationen auf den Straßen untersagt. Die Aktivistinnen sagen sie werden sich nicht einschüchtern lassen, wie auch die Arbeiterinnen in Frankreich ihre Streiks fortsetzen.
Kämpfe von Frauen in Europa
Gauche Revolutionnaire, die französische Sektion des CWIs, ist voll involviert in der Massenbewegung gegen die Pensionsreform. In ihrer Zeitung „Egalité“ erkären sie warum Frauen wütend sind und in diesen Protesten eine zentrale Rolle spielen. Macrons Pläne würden Frauen in ihrer Pension benachteiligen aufgrund von Kindererziehungszeiten. Frauen sind auch involviert in der Bewegung der Gilet Jaunes die mehr als ein Jahr bereits andauert.
In Deutschland und Österreich haben zuletzt Streiks im Gesundheits- und Sozialbereich stattgefunden, die Frauen involvieren. Ein Kampf in Österreich ist jener im Sozialsektor für die 35-Stunden-Woche. „Der Streik umfasst Freizeitpädagog/innen in den Schulen, Altenpfleger/innen, Betreuer/innen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Sozialarbeiter/innen und Betreuer/innen im Flüchtlingsbereich. Es ist eine vorwiegend weibliche Branche, aber Frauen und Männer streiken natürlich gemeinsam“, schreibt ein CWI Mitglied in Wien.
In Glasgow, Birmingham, Belfast und anderswo fanden erfolgreiche Kämpfe für gleiche Löhne im öffentlichen Dienst statt. Anderswo sind Sozialist/innen in Kampagnen für öffentlichen Wohnbau und gegen Kürzungen auf Gemeindeebene aktiv.
Mitglieder der Socialist Party (CWI in England and Wales) sind in Kampagnen gegen Diskriminierung und Belästigung von LGBTQ-Personen aktiv. Sie haben begonnen für diese Fragen Unterstützung in den Gewerkschaften zu gewinnen, wie es auch der „Kampagne gegen häusliche Gewalt“ in den 1990ern gelang. Sie waren energisch in eine Kampagne namens „Women’s Lives Matter“ involviert, die häusliche Gewalt und Missbrauch bekämpft, indem sie das Thema verbindet mit einem Kampf gegen Kürzungen öffentlicher Dienstleistungen und sozialer Einrichtungen.
In Südafrika sind CWI Mitglieder an der Front einer Bewegung von Arbeiter/innen im öffentlichen Dienst die fixe Anstellungen und einen Mindestlohn von 12.500 Rand fordert – wo die Mehrheit der Beschäftigten Frauen sind.
CWI Mitglieder auf der ganzen Welt kombinieren die Kämpfe gegen Frauenunterdrückung mit dem Kampf aller Arbeiter/innen gegen Kürzungen und für öffentliche Investitionen in Wohnen, Bildung und Gesundheit um den Druck auf ihr tägliches Leben zu erleichtern.
Es war schon lange klar, dass Frauen als Chefinnen kapitalistischer Regierungen – egal wo auf der Erde – nicht automatisch bedeuten dass die Situation von Frauen sich verbessert.
In Finnland werden alle wichtigen Parteien von Frauen angeführt. Dennoch, wie ein CWI Mitglied in Finnland schreibt: „Keine von ihnen – weder in der Regierung noch in der Opposition – hat jemals eine Starke Position gegen neoliberale Politik eingenommen, die das Leben von Frauen der Arbeiter/innenklasse nachhaltig zerstört.“
In Lateinamerika sind prokapitalistische Regierungschefinnen wie Dilma Roussef in Brasilien, Cristina Kirchner in Argentinien und nun Jeanine Anez in Bolivien verantwortlich für die Implementierung von Angriffen auf die Arbeiter/innenklasse und Maßnahmen die das Leben von Frauen härter statt einfacher macht.
Trump
In den USA ist mit Trump ein berüchtigter Sexist an der Macht. Wenn Donald Trump dieses Jahr in den Präsidentschaftswahlen besiegt würde, würde das von Millionen auf dem ganzen Erdball gefeiert. Ein Sieg für die Demokraten könnte zwar die Abtreibungsrechte schützen und eine Verbesserung im Gesundheitssystem erreichen. Aber die Partei ist und bleibt eine Ausführende der Diktate der Wallstreet und des großen Kapitals. Ein Demokratischer Präsident wird jene Millionen enttäuschen die für Veränderung gestimmt haben.
Mit der Aussicht auf eine tiefere wirtschaftliche Krise in den USA, in Europa und international werden die massiven Erhöhungen öffentlicher Ausgaben für Gesundheit, Soziales und Bildung die weltweit nötig sind nicht stattfinden. All das bedeutet dass Sozialist/innen denen es um den Lebensstandard von Frauen geht die Kräfte für eine sozialistische Veränderung aufbauen müssen.
Jede Reform und Schritt in Richtung von Frauen und LGBTQ Rechten und gegen Diskriminierung ist wichtig. Aber Ausbeutung, Unterdrückung und Leid sind Bestandteil des Kapitalismus. Millionen von Männern, Frauen und Kindern müssen flüchten – im Moment von Syrien über die Türkei, nur um von den griechischen Behörden brutal abgewiesen zu werden.
Frauen und Kinder machen den Großteil der Flüchtlinge aus und werden oft Opfer von Vergewaltigungen durch Armee und Polizei. Sie fliehen vor Armut und Krieg. Alle zwei Sekunden wird eine Person durch Konflikte oder Verfolgung gezwungen ihr Zuhause zu verlassen. 70 Millionen werden aus ihren Häuser in einem Jahr vertrieben, die Hälfte davon wird zu Flüchtenden.
Weinstein und Me Too
Das Me Too Phänomen hat aufgezeigt wie weit verbreitet sexuelle Belästigung und Vergewaltigung auf jedem Level der Gesellschaft ist – zuhause und am Arbeitsplatz. Vielen Frauen die wortwörtlich still gelitten haben, hat Me Too Selbstvertrauen gegeben, Gerechtigkeit zu suchen. Aber sexuelle Belästigung und Missbrauch sind Teil der Klassengesellschaft, die auf Ungleichheit von Macht und Reichtum basiert. Nur ein gemeinsamer Kampf von Frauen und Männern gemeinsam wird das beenden, gemeinsam mit der Überwindung der Klassengesellschaft.
Die Verurteilung von Harvey Weinstein wurde als Präzedenzfall begrüßt und zeigt dass selbst die Reichen und Machtvollen gestürzt werden können. Allerdings wird global gesehen nur ein kleiner Pozentsatz der Vergewaltigungen geahndet.
Gleichzeitig leiden Millionen von Frauen in den Textilfabriken auf der ganzen Welt, gezwungen tägliche Belästigungen und Vergewaltigungen am Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen um ihr Einkommen nicht zu verlieren. Es hat Streikbewegungen in einer Reihe von Ländern gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gegeben – die die Bosse dort treffen wo es weh tut: in der Geldbörse.
Letztes Jahr organisierten Bergarbeiter/innen der LanXess Chrome Mine in Rustenburg – Mitglieder der NUMSA Gewerkschaft – einen Streik und eine Besetzung im Proteste gegen sexuelle Belästigung einer Bergarbeiterin. Ihr Manager hatte sexuelle Dienstleistungen im Austausch für einen dauerhaften Arbeitsplatz verlangt. Das ist ein Beispiel wie Arbeiter/innen die Frage von Belästigung und Gewalt gegen Frauen aufgreifen können. Es zeigt, dass Arbeiter/innen die Macht in der Hand halten um Belästiger am Arbeitsplatz zu entfernen.
McDonalds Arbeiter/innen in den USA streikten in mehr als zehn Städten am selben Tag. Google Arbeiter/innen auf der ganzen Welt – von Tokyo bis Kalifornien über Haifa, Zürich und London – streikten am 1. November 2018 gegen sexuelle Belästigung, Benachteiligung und Rassismus.
Der Kampf gegen Belästigung ist als Individuum nahezu unmöglich für arbeitende Frauen. Kollektive Aktion und die Organsierung in einer Gewerkschaft sind der Schlüssel. Gewerkschaftliche Kampagnen sind auch notwendig um die Rechte von LGBTQ Personen am Arbeitsplatz und in den Nachbarschaften zu sichern.
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist eine selbstverständliche Forderung für alle Gewerkschaftsaktivist/innen und Sozialist/innen, nicht nur für Frauen. Durch Streiks und Kampagnen wurden große Fortschritte darin erzielt und in einigen Ländern wurde die Lohnschere massiv verkleinert. Es hat auch große Fortschritte bei Mutterschutz und Elternrechte gegeben. Aber in einigen Ländern Afrikas und Asien haben Frauen die in Feldern, Fabriken und zuhause schuften vor, bei und nach der Geburt ihrer Kinder keine oder wenig Unterstützung.
Eine Welt zu gewinnen
Das Recht von Frauen wann und ob sie Kinder wolen wird ihnen in jedem Teil der Welt verwehrt. Das bedeutet nicht nur für Abtreibungsrechte zu kämpfen, wie zuletzt in Polen, Irland oder Argentinien, sondern auch für den kostenlosen Zugang zu künstlichen Reproduktionstechniken für jene die sie brauchen. Und es bedeutet auch genügend Geld und die öffentlichen Dienstleistungen zur Verfügung zu haben um Kinder aufzuziehen – buchstäblich von der Wiege bis ins Grab.
Um all das zu erreichen sind Ressourcen nötig die weit darüber hinausgehen, die das verrottete kapitalistische System zur Verfügung stellen kann. Es braucht einen Kampf für eine sozialistische Gesellschaftsveränderung. Der Kampf um die Klassengesellschaft zu überwinden – die Spaltung in Unterdrückte und Unterdrückende – kann niemals vom Kampf gegen Frauenunterdrückung getrennt werden. Es muss ein Kampf von Männern und Frauen der Arbeiter/innenklasse gemeinsam sein.
Wenn du mit unseren Ideen übereinstimmst, sende uns deine Kommentare und Fragen – und schließe dich uns, dem CWI, im Kampf für eine sozialistische Welt an.
